
Das auf künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen xAI, das Musk gehört, reichte am Donnerstag Klage vor dem US-Bezirksgericht in Colorado ein und beantragte, zu verhindern, dass der Gesetzentwurf des Colorado State Senate Nr. 24-205 (SB 24-205) wie geplant am 30. Juni in Kraft tritt. Der Gesetzentwurf soll verhindern, dass KI-Systeme in den Bereichen Beschäftigung, Wohnen und Finanzdienstleistungen „algorithmische Diskriminierung“ verursachen. xAI behauptet, dass die Vorschrift Grok dazu zwinge, Informationen entsprechend politischen Standpunkten auszugeben, und damit die Meinungsfreiheit verletze.
(Quelle:CourtListener)
In den Klagedokumenten macht xAI unmissverständlich geltend, dass der US-Bundesstaat Colorado nicht allein deshalb dazu berechtigt sei, xAI zur Änderung der Informationsausgabe zu zwingen, nur weil man im Sinne von „fair und gleichberechtigt“ bestimmte Meinungen bei stark politisierten Themen bewerben wolle. Das Unternehmen betont außerdem, dass SB 24-205 einen grundlegenden logischen Widerspruch aufweise: Die Verordnung behaupte einerseits, historische Diskriminierung zu beseitigen und Vielfalt zu erhöhen, und ermächtige andererseits in internen Bestimmungen „unterschiedliche Behandlung“, was in die entgegengesetzte Richtung gehe.
Dies ist nicht das erste Mal, dass xAI rechtliche Schritte in Bezug auf das Thema KI-Regulierung unternimmt. Im Dezember 2025 hatte xAI bereits Klage gegen den kalifornischen „Gesetzesentwurf zur Transparenz von Trainingsdaten für generative KI“ eingereicht und argumentiert, dass die Offenlegungspflichten in Kalifornien eine Form von Zwangskommunikation darstellten und zudem die Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen einschlössen; dies verstoße gegen den First Amendment und den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung. Die Klage in Colorado ist der zweite bundesgerichtliche Rechtszug von xAI im Bereich der KI-Regulierung.
Der gesetzgeberische Hintergrund von SB 24-205 und die Schwerpunkte der Kontroverse
Der SB 24-205 von Colorado gehört zu den frühesten auf Bundesstaatsebene verabschiedeten KI-Antidiskriminierungsregelungen in den USA. Er verpflichtet Entwickler von KI-Systemen mit hohem Risiko, Compliance-Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass ihre Systeme auf geschützte Gruppen eine unangemessene unterschiedliche Wirkung haben. Besonders bemerkenswert ist: Bevor Colorado und Kalifornien nacheinander KI-Gesetze vorangetrieben haben, gab es Vorwürfe, Grok habe in der Vergangenheit Äußerungen getätigt, die mit rassistischer, sexistischer und antisemitischer Haltung in Verbindung stünden; einige Gesetzgeber betrachteten dies als eine der Grundlagen, um KI-Antidiskriminierungsregeln voranzutreiben.
Verletzung der Meinungsfreiheit: KI-Ausgaben sind Meinungsäußerungen, die durch den First Amendment geschützt sind; staatliche Behörden dürfen den Inhalt von Äußerungen nicht vorschreiben.
Einpflanzung politischer Standpunkte: Die Verordnung verlangt, dass Grok seine Ausgabe anhand der politischen Positionen in Colorado anpasst, was eine inhaltliche Einflussnahme durch die Regierung darstellt.
Logischer Widerspruch: Die Verordnung behauptet gleichzeitig, Diskriminierung zu beseitigen und unterschiedliche Behandlung zuzulassen; interne Bestimmungen stehen zueinander im Konflikt.
Störung des Produktziels: Das erzwungene Ändern der Ausgabe würde Groks Gestaltungsidee „maximal auf der Suche nach der Wahrheit“ beeinträchtigen.
Der KI-Politikberater des Weißen Hauses, David Sacks, setzt sich seit langem dafür ein, dass die Bundesstaaten auf eigene Regeln zur KI-Regulierung verzichten und stattdessen einen einheitlichen bundesstaatlichen Standard schaffen. Im März hatte er öffentlich erklärt: „50 verschiedene Staaten mit 50 unterschiedlichen Arten, KI zu regulieren, führen zu Verwirrung im Regulierungssystem; Innovatoren wird es schwer, die Regeln einzuhalten.“ Sacks ist derzeit gemeinsam Vorsitzender des neu gegründeten Presidential Committee of Advisors for Science and Technology und koordiniert die Weiterentwicklung eines landesweit einheitlichen KI-Regulierungsrahmens.
Das Vorgehen, das xAI gegen Colorado anstrengt, steht inhaltlich im Einklang mit Sacks’ Befürwortung einer föderalen Priorität und verschärft damit noch die zentrale politische Kontroverse in den USA darüber, ob die KI-Regierungshoheit eher dem Bund oder den Bundesstaaten zusteht.
SB 24-205 verlangt, dass Hochrisiko-KI-Systeme, die in Bereichen wie Beschäftigungs-Screening, Wohnungsanträgen und Finanzdienstleistungen eingesetzt werden, Maßnahmen ergreifen müssen, um zu verhindern, dass sie auf geschützte Gruppen eine unangemessene unterschiedliche Wirkung haben; Entwickler müssen die entsprechenden Compliance-Unterlagen bereitstellen. Die Vorschrift soll am 30. Juni 2026 in Kraft treten.
xAI reichte im Dezember 2025 Klage gegen den kalifornischen „Gesetzesentwurf zur Transparenz von Trainingsdaten für generative KI“ ein und argumentierte, dass dessen Offenlegungspflichten eine Form von Zwangskommunikation darstellten und die Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen einschlössen; dies verstoße gegen den First Amendment und den fünften Zusatzartikel der Verfassung. Bislang befindet sich der Fall noch im Verfahren vor einem US-Bundesgericht.
Wenn das Gericht xAI mit seiner Argumentation zum First Amendment Recht gibt, könnte dies die rechtliche Grundlage für KI-Antidiskriminierungsregelungen in den Bundesstaaten schwächen und den Weg für einen einheitlichen KI-Regulierungsrahmen auf Bundesebene ebnen. Der Ausgang des Falls wird die gesetzgeberischen Entscheidungen von Dutzenden Bundesstaaten beeinflussen, die gerade darüber nachdenken, ähnliche Vorschriften zu erlassen.