Chainlink-Mitbegründer Sergey Nazarov erklärte, dass die Korrektur des Kryptomarktes im Jahr 2026 sich von jeder vorherigen Bärenmarktphase unterscheidet. Obwohl die gesamte Marktkapitalisierung der Kryptowährungen seit dem Hoch von 4,4 Billionen US-Dollar im Oktober 2025 um etwa 44 % gefallen ist und innerhalb von vier Monaten fast 2 Billionen US-Dollar an Wert verloren gingen, war dieser Rückgang nicht von einem institutionellen Kollaps wie bei FTX begleitet. Dies sieht er als ein wichtiges Signal für die Reife der Branche.
Nazarov wies darauf hin, dass frühere Bärenmärkte oft durch Risikomanagementfehler oder das Scheitern großer Plattformen ausgelöst wurden, was systemische Risiken verstärkte. Im Gegensatz dazu seien bei der aktuellen Korrektur keine bedeutenden Ereignisse aufgetreten, die eine Kettenreaktion auslösen könnten. Das bedeute, dass die Krypto-Infrastruktur in Zeiten von Liquiditätsengpässen und Preisrückgängen widerstandsfähiger geworden sei.
Er betonte einen zweiten entscheidenden Wandel: die anhaltende Expansion der Tokenisierung realer Vermögenswerte (RWA). Daten zeigen, dass der auf der Blockchain gehaltene Gesamtwert von RWA in den letzten 12 Monaten um über 300 % gestiegen ist, wobei dieser Trend kaum von Kursschwankungen beeinflusst wird. Nazarov ist der Ansicht, dass dies zeigt, dass RWA eine echte Nachfrage außerhalb spekulativer Aktivitäten besitzen und langfristig die Entwicklung institutioneller und blockchain-basierter Finanzinfrastrukturen vorantreiben.
Trotz der Verbesserung der Fundamentaldaten liegt der LINK-Tokenpreis von Chainlink weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Seit dem Hoch im Oktober 2025 ist er um etwa 67 % gefallen und hat den Höchststand von 2021 um mehr als 80 % unterschritten. Der Kurs schwankt derzeit unter 9 US-Dollar. Dieser Zustand, bei dem die Fundamentaldaten und der Preis divergieren, gilt auch als ein typisches Merkmal eines frühen neuen Zyklus.
Mehrere traditionelle Finanzanalysten teilen eine ähnliche Einschätzung. Gautam Chhugani von Bernstein bezeichnet den aktuellen Rückgang als den „schwächsten Bärenmarkt in der Geschichte von Bitcoin“ und sieht darin eher eine Vertrauenskrise, die durch Stimmungseinflüsse und Liquiditätsdruck verursacht wird. Andere Marktteilnehmer weisen darauf hin, dass der Verkauf auch durch makroökonomische Faktoren getrieben wird, darunter die erwartete Verlangsamung der KI-Industrie sowie eine mögliche Straffung der Geldpolitik nach der Ernennung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der Federal Reserve.
Laut Nazarov verändern On-Chain-Transaktionen, die Tokenisierung von RWA und Echtzeit-Dateninfrastrukturen die Wertestruktur der Kryptoindustrie grundlegend. Wenn dieser Trend anhält, könnte der Gesamtwert realer Vermögenswerte auf der Blockchain in Zukunft die traditionellen Krypto-Assets übersteigen. Der Branchenfokus werde sich dann von Preisspekulationen auf eine neue Phase der echten Anwendungsfälle verschieben.