
Capitalwatch zog am 8. Februar seine Behauptungen gegen den Aktionär Tang Hao von AppLovin zurück und gab an, die Überprüfung sei unzureichend gewesen. Am 20. Januar hatte es zuvor eine Verbindung zwischen AppLovin und der kambodschanischen Prince Group im Zusammenhang mit Geldwäsche behauptet. Es wurde die Darstellung, dass Tang Hao Beziehungen zum Bordeaux-Gericht, Chen Zhi, der Prince Group, Jinbei Group, Tang Jun und Yang Zhihui habe, zurückgenommen, da diese Angaben ohne Querverifizierung durch nicht-anonyme Quellen gemacht wurden. Es wurde eine Entschuldigung ausgesprochen, jedoch keine Unterstützung für die finanzielle Lage von AppLovin übernommen.
Als Reaktion auf die zuvor veröffentlichten Short-Behauptungen veröffentlichte Capitalwatch am 8. Februar eine Korrektur- und Entschuldigungserklärung, in der sie bestimmte konkrete Vorwürfe gegen den Hauptaktionär Tang Hao bei AppLovin zurücknahmen und erklärten, dass die betreffenden Inhalte die Standards für eine unabhängige Überprüfung nicht erfüllten. Solch eine öffentliche Selbstkritik ist bei Short-Research-Firmen äußerst selten und deutet auf erheblichen rechtlichen oder öffentlichen Druck hin.
Der Bericht vom 20. Januar hatte behauptet, dass die Aktionärsstruktur, die Werbeeinnahmen und die Produktnutzung von AppLovin (NASDAQ: APP) eng mit der kambodschanischen Prince Group verbunden seien, möglicherweise als Geldwäschefirma fungierten. Es wurde eine Untersuchung durch US-Regulierungsbehörden gefordert. Diese Vorwürfe sind äußerst schwerwiegend, da Geldwäsche ein Bundesverbrechen ist. Bei Bestätigung könnten die Führungskräfte von AppLovin strafrechtlich verfolgt werden, das Unternehmen mit Milliardenstrafen belegt oder sogar geschlossen werden.
Die Prince Group ist eine der berüchtigtsten kriminellen Organisationen Kambodschas, die in Online-Glücksspiel, Menschenhandel, Zwangsarbeit und Geldwäsche verwickelt ist. Die Verbindung von AppLovin mit der Prince Group würde bedeuten, dass AppLovin als Komplize der kriminellen Organisation gilt. Ohne ausreichende Beweise könnten solche Vorwürfe Verleumdung und böswilliges Shorten darstellen, was AppLovin das Recht auf Klage und Schadensersatz gibt.
Nach Veröffentlichung des Berichts schwankte der Aktienkurs von AppLovin kurzfristig, erholte sich jedoch später und erreichte sogar neue Höchststände. Diese Marktreaktion zeigt, dass Investoren den Vorwürfen von Capitalwatch nicht vollständig glaubten oder sie für wenig schädlich für das Geschäftsmodell von AppLovin hielten. Als Anbieter von Werbetechnologie ist das Kerngeschäft von AppLovin, Werbeanzeigen für mobile Apps zu schalten und zu monetarisieren, rechtlich unbedenklich und üblich.
Verbindung zwischen Tang Hao und dem Bordeaux-Gericht: Fehlende unabhängige Überprüfung der Gerichtsdokumente
Beziehung zwischen Tang Hao und Chen Zhi: Ohne Querverifizierung durch nicht-anonyme Quellen
Beziehung zwischen Tang Hao und der Prince Group: Wie oben
Beziehung zwischen Tang Hao und Jinbei Group: Wie oben
Beziehung zwischen Tang Hao, Tang Jun und Yang Zhihui: Wie oben
Bezüglich des Teils, in dem behauptet wurde, dass eine Verbindung zwischen Tang Hao und einem Urteil des Bordeaux-Gerichts bestehe, erklärte Capitalwatch, dass bei einer internen Überprüfung festgestellt wurde, dass die Gerichtsdokumente bei der Zitierung unzureichend unabhängig verifiziert wurden und fälschlicherweise mit Tang Hao in Verbindung gebracht wurden. Ebenso wurden die Behauptungen, dass Tang Hao Beziehungen zu Chen Zhi, der Prince Group, Jinbei Group, Tang Jun und Yang Zhihui habe, aufgrund fehlender mehrfacher Querverifizierung durch nicht-anonyme Quellen zurückgezogen.
In ihrer Erklärung betonte Capitalwatch, alle Passagen, die Tang Hao persönlich betreffen, entfernt zu haben und entschuldigte sich aufrichtig für mögliche Rufschädigung. Die formale und vollständige Art der Entschuldigung deutet auf rechtlichen Druck hin. Wenn es sich nur um eine freiwillige Korrektur handelte, wäre die Form wohl weniger formell.
Bezüglich der im Bericht genannten „Geldwäsche“ und „unrechtmäßigen Vermögensübertragungen“ in Bezug auf Einzelpersonen erklärte Capitalwatch, dass im Rahmen des US-amerikanischen Finanzstrafrechts die Anklage gegen Einzelpersonen hohe Beweisstandards erfordert, darunter: klare subjektive Absicht, vollständige und nachvollziehbare Geldflüsse sowie eine geschlossene, kontinuierliche Beweisführung.
Das interne Review kam zu dem Schluss, dass die verfügbaren öffentlichen Informationen zwar auf eine gewisse Kapitalstruktur und Transaktionsmuster hinweisen, die Aufmerksamkeit verdienen, aber rechtlich nicht ausreichen, um die Kapitalbewegungen direkt und ausschließlich auf Tang Hao persönlich zu beziehen. Die Organisation betont, dass das Zurückziehen auf Beweisgrundlagen basiert und nicht die Existenz struktureller Probleme im Markt negiert. Diese „Zurücknahme ohne Unterstützung“ zeigt, dass Capitalwatch versucht, zwischen Fehlereingeständnis und der Aufrechterhaltung der Short-Position eine Balance zu finden.
Gleichzeitig weist Capitalwatch darauf hin, dass diese Korrektur keine Unterstützung für die finanzielle Lage von AppLovin darstellt. Die Organisation kündigt an, weiterhin auf Basis öffentlich zugänglicher Marktdaten unabhängige Analysen durchzuführen und in einem zukünftigen Bericht „Nine Questions for AppLovin“ anhand von Finanzberichten und quantitativen Modellen kritische Fragen zu „unplausiblen Finanzdaten“ zu stellen. Damit zeigt Capitalwatch, dass sie trotz Rücknahme der persönlichen Vorwürfe weiterhin die Unternehmensstruktur und -finanzen hinterfragt.
Dieses Ereignis ist ein schwerer Schlag für die Glaubwürdigkeit von Capitalwatch. Das Geschäftsmodell von Short-Firmen basiert auf der Genauigkeit und Glaubwürdigkeit ihrer Analysen. Wenn sie Short-Reports veröffentlichen, treffen Investoren Entscheidungen auf deren Grundlage. Bei nachweislich falschen oder böswilligen Behauptungen drohen Klagen und Regulierungsmaßnahmen.
Historisch haben bekannte Short-Firmen wie Muddy Waters, Citron & Co. eine relativ hohe Trefferquote, was ihre Marktposition sichert. Ein Fehler von Capitalwatch bei so zentralen Vorwürfen könnte dazu führen, dass zukünftige Berichte weniger ernst genommen werden. Zudem könnten AppLovin und Tang Hao rechtliche Schritte gegen die Organisation einleiten, um Rufschädigung und Kursmanipulation zu kompensieren, was zu hohen Schadensersatzforderungen führen könnte.
Für AppLovin ist diese Episode zwar kurzfristig belastend, langfristig könnte sie auch positiv wirken. Das Zurückziehen und die Entschuldigung der Short-Firma könnten die Unschuld von AppLovin untermauern. Wenn AppLovin rechtliche Schritte gegen die Organisation einleitet, könnte sie Schadensersatz erhalten und andere Short-Akteure abschrecken. Allerdings bleibt die im Bericht angesprochene „Zweifel an den Finanzdaten“ bestehen, die durch transparentere Finanzberichterstattung ausgeräumt werden sollten.
Für Investoren ist dieses Beispiel eine wichtige Lektion: Short-Reports sollten nicht blind vertraut werden, auch wenn sie von bekannten Organisationen stammen. Vor Investitionsentscheidungen sollte man die Vorwürfe unabhängig prüfen und auf ausreichende Beweise achten. Nach einem Kurssturz infolge eines Short-Reports kann sich eine Chance zum Einstieg (bei falschen Vorwürfen) oder zum Ausstieg (bei echten Problemen) bieten – eine sorgfältige Analyse ist unerlässlich.